Über

Gerhard Leiser Pfarrer in Ruhestand n Karlsruhe 

Verantwortet CHRISTEN-IN-VERANTWORTUNG Gruppe Karlsruhe

lädt zum Pfarrseniorenkonvent Karlsruhe ein

schickt Gedanken zum Predigttext als Sonntagsgruß nach Krasnodar

nimmt an politischen Veranstaltungen teil, wenn Wetter und zeit es erlauben. Diskutiert gern. Vor allem mit Jungen.

Alter: 90
 


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Blog

Wo sind die Hungrigen?

Brich mit den Hungrigen dein Brot? das sagte schon Jesaja. Darüber soll an Erntedank gepredigt werden. Etwa so:

Für die Ernte wird heute gedankt! Früchte werden an den Altar gebracht. Sie werden verteilt an Leute, die es brauchen! – „Alle gute Gabe kommt her vom Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm dankt und hofft auf ihn“  (so in einem an Erntedank gesungenen Lied).

Das ist eine gute alte Tradition. Sie erinnert daran: Alle Lebensmittel hat der Schöpfer für uns wachsen lassen. Auch wenn die Milch heute aus einer Pappschachtel, Brot und Fleisch vom Supermarkt kommt! Die Gaben auf dem Erntedankaltar erinnern: Wir leben von dem was Gott geschaffen hat. Gott sei dafür gelobt. Wie die Kirchen neuerdings den Schöpfer im September loben. Auch deshalb, weil wir wissen, wie bedroht die Schöpfung ist.

Zu danken ist ihm, dass heute über 7 Milliarden Menschen auf der Erde leben und zwar relativ besser als jemals zuvor. Obwohl es noch viel Hunger gibt.

Von Hungrigen spricht der Predigttext aus Jesaja 58 87-12).

Hunger und Ungerechtigkeit gab es in der Zeit als Jerusalem von den Rückkehrern wieder aufgebaut wurde. „Brich dem Hungrigen dein Brot, bekleide den Nackten, nimm den Obdachlosen auf“: dazu mahnte auch Jesus (Matthäus 25,34-36).

Aber in unsern wohlgeordneten (Gott sei Dank!) Staaten findet Ihr kaum Hungrige und Arme.

In andern Ländern wohl. Man muss sich nur lesen, was zum Beispiel Brot-für-die-Welt, die Welthungerhilfe oder Zeitschriften wie „EineWelt“ oder „Welt.Sichten“ berichten. Dann wird man vielleicht überlegen, ob man regelmäßig einen Teil seines Einkommens spendet. Das wäre Teilen!

Dann wird zwar „dein Licht  nicht vor den Leuten leuchten“, aber Dir wird es besser gehen. Denn Egoismus und deine Unzufriedenheit wird vergehen. Wer Gutes tut, tut sich selber gut!

Anscheinend meint Jesaja auch noch andern Hunger als den nach Essen.

Zum Beispiel den Hunger nach Freiheit, Gerechtigkeit,  inneren Frieden und Hoffnung. Den die „Elenden“ empfinden. Auf „die mit Fingern gezeigt und übel geredet wird“. Die gibt es in Eurer Nachbarschaft und in jedem Staat. Sie brauchen nicht nur Geld, sondern Euer Herz, Euer Mitgefühl oder Empathie, wie man heute sagt. Dazu ist nötig, beherzt auf andere zugehen und sein Herz zu öffnen. Gefühle sich und den andern erlauben!

Dadurch kannst Du ein anderer Mensch werden!

Ein Mensch „wie ein Garten“: gut bewässert in der Trockenheit, in dem man gern arbeitet aber auch sitzen und feiern kann!

Ein Mensch „wie eine Wasserquelle“. Der erfrischt und fröhlich macht, und der zu Reinigung der Seele hilft. Mit dem man gern zusammen ist.

Ein „Aufbauer“, bei dem man „aufgebaut“ und nicht wieder fertig gemacht wird.

Ein „Aufrichter“, der  „aufrichtet“, was hin- oder zerfallen ist.

Lückenbüßer“ wird dein Ehrentitel sein. Er hilft, wenn die andern sich drücken.

„Wegverbesserer“: wie ein Straßenbauer, der dafür sorgt, dass man in Häusern wohnen kann.

Schön, wenn man so ein Mensch sein könnte!

Das sind alles Anregungen für Einzelne. Heute müssen wir aber auch überlegen, wie wir die Probleme lösen, die nur gemeinsam gelöst werden können. Darum bemühen sich vernünftige Politiker und Verantwortliche in Ämtern, aber die Kirchen sollten helfen. Vielleicht durch das, was die Politiker nicht zu sagen wagen. Zum Beispiel: Die Menschheit wird schwere Zeiten bekommen, wenn nicht der Verbrauch an Lebensmitteln und Gütern aller Art und Verkehr eingeschränkt wird. Es braucht nicht überall Wachstum. Das Klima können wir nicht gerecht machen. Aber die Folgen der jetzt schon spürbaren Klimaveränderung gerecht verteilen, sollte Ziel sein. Das wird nicht ohne Einschränkungen gehen. Wissen das auch die Demonstranten von „fridays for future“?

Richtig ist: Gott der Schöpfer und Erhalter kann der Erde noch Zukunft schenken. Aber die Menschen müssen auch einiges dazu tun.

Aber diese Gedanken sollen euch nicht hindern, heute für Brot, Früchte und Blumen zu danken und fröhlich zu feiern und zu teilen.

Lesung: 2. Kor .9, 6-15 Was Gott gibt, können wir weiter geben.

Markus 8,1-9 Jesus will keine Hungernden!

Weltweit gebetet wird in der nächsten Woche für die Menschen in Costa Rica, El Salvador, Ecuador, Panama: mit Bananen, Kaffee, Erdbeben, Hurricanen, viel sozialer Ungerechtigkeit und Armut.

Ich wünsche euch ein fröhliches Erntedankfest und etwas zum Teilen!

Euer Gerhard Leiser

Nebenbei: am 3. Oktober sollte für die friedliche Revolution vor 30 Jahren gedankt werden!

4.10.19 10:28, kommentieren

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In Demut einander dienen: Wort zum Sonntag!

Demütig sollen wir sein, mahnt Petrus im 1. Brief Kapitel 5, 5-11 im Predigttext am 15. Sonntag nach Trinitatis.

Das ist der Schluss und die Zusammenfassung des Briefes an eine kleine Gemeinschaft. Sie lebt in einer Gesellschaft, die von den Regeln des Wettbewerbs, der Konkurrenz, der Habgier, Machtgier, Egoismus, Ehrgeiz, Lüge und Angabe bestimmt ist. Für euch sei Demut die oberste Lebensregel!

Demut? Wird selten gepriesen. Liebe, Mut, Fleiß, Geduld, Selbstvertrauen, Zuversicht werden häufiger gelobt. Das deutsche Wort Demut kommt von Dienen. So sollen auch die Gemeindeglieder einander dienen. So sagt Petrus in 4,10: Dienet einander, ein jeder mir der Gabe, die er empfangen hat. Wie auch Chefs und Untergebene, Männer und Frauen, Regierende und Untergebene sich gegenseitig dienen sollten.

Jesus nennt sich von Herzen demütig. Belastete und Besorgte sollen ruhig kommen! (Matt 11, 29).

Ihn dürfen wir zum Vorbild nehmen. – Das ist viel verlangt. Das muss man wollen: „Anziehen“ sagt der Text. Wie man sich anzieht, wenn man andern dienen will. Je nachdem mit Schürze oder Arbeitskleidung. Nicht mit Frack und Zylinder und Abendkleid.

Mit Demut angeben geht natürlich nicht! Nur im Spaß sage ich mal, wenn ich einem andern den Vortritt lasse, Kaffee einschenke oder Geschirr abtrockne: „In Demut ist mir keiner über!“

Die Jüngeren sind besonders angesprochen: sie sollen sich den Ältesten unterordnen. Wir wissen nicht, ob das in der Urgemeinde ein Problem war. Leider ordnen sie sich heute  nicht unter, weil sie gar nicht eingeordnet haben. Auf der Straße und bei Demonstrationen wie bei „Fridays for Future“ protestieren sie gegen die Älteren. Und die Älteren tun ihnen gegenüber ganz schön demütig. Gegenseitiger Respekt, Achtung und Interesse ist geboten. Aber die Kirchen wissen nicht, wie sie die Jüngeren mehr beteiligen können.

Mit Demut vor Gott fängt es an: Von ihm habe mein Leben und diese Welt und die Gemeinschaft von der ich lebe. Er hat mich bisher bewahrt. Wenn ich die Schöpfung betrachte – was seine „gewaltige Hand“ gemacht hat und macht -  und bedenke, was alles hätte geschehen können: Da werde ich ganz klein und demütig!

Dann vertraue ich ihm alle Sorgen an. Er wird auch in Zukunft für uns sorgen.

In allen Gefahren, die uns tagtäglich drohen. Auch wenn zur Zeit der Teufel nicht bei uns los ist. Aber hasserfülltes Gebrüll gibt es manchmal sogar bei uns. Es braucht gelegentlich viel Polizei um Mord und Totschlag zu verhindern. Von Nordkorea, Indien, Pakistan und andern Ländern lesen wir, dass dort Christen das erleben, was die frühe Gemeinde erlebt hat: Verfolgung, Folter, Haft und Mord.

Wie damals sollten ihr von den Leiden von Christen in der weiten Welt wenigstens etwas wissen. Noch besser, wenn ihr für sie betet und spendet.

Die Verse 10 und 11 schließen den Brief. Ihr könnt sie einander zusprechen: Ihr seid zu der Herrlichkeit berufen, in die Christus auferstanden ist. Darauf könnt ihr euch etwas einbilden und sogar stolz sein. Ihr habt guten Grund auf die Hilfe Gottes zu hoffen! Denn er ist der Schöpfer der Welt vor aller Zeit und nach aller Zeit und in unserer Zeit und nach unserer Zeit. Er hat alle Macht! Deshalb können wir ganz bescheiden und demütig „Amen“ sagen. „So sei es“ heißt das.

 

Gebetet wird in der ganzen Welt in der kommenden Woche für Kolumbien, Ecuador, Nicaragua und den Frieden am internationalen Versöhnungstag.

Lesungen: 1. Mose 2, 4b-9.15 (bis 25) Der ältere Bericht der Schöpfung: der Mensch zuerst!

Matthäus 6, 25-34 Auf das Reich Gottes kommt es an!

Wochenspruch Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für euch. 2. Petrus 5,7

 

Einen fröhlichen Sonntag ohne Sorgen wünscht euch euer Gerhard Leiser

 

Nachbemerkung: Mit der Bewahrung der Schöpfung beschäftigen sich jetzt auch die Kirchen. Für mich ist Albert Schweitzer der Theologe, der die „Ehrfurcht vor allem Leben“ zum Leitbegriff machte und durch seinen Dienst in Afrika und bescheidenes, einfaches Leben Vorbild wurde. Natürlich setzte er sich auch für politischen Frieden und gegen Atomwaffen ein. So konsequent wagen wenige Politiker zu denken. Hoffen wir, dass Gott noch weiter sorgt!    

26.9.19 17:07, kommentieren