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Wo sind die Hungrigen?

Brich mit den Hungrigen dein Brot? das sagte schon Jesaja. Darüber soll an Erntedank gepredigt werden. Etwa so:

Für die Ernte wird heute gedankt! Früchte werden an den Altar gebracht. Sie werden verteilt an Leute, die es brauchen! – „Alle gute Gabe kommt her vom Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm dankt und hofft auf ihn“  (so in einem an Erntedank gesungenen Lied).

Das ist eine gute alte Tradition. Sie erinnert daran: Alle Lebensmittel hat der Schöpfer für uns wachsen lassen. Auch wenn die Milch heute aus einer Pappschachtel, Brot und Fleisch vom Supermarkt kommt! Die Gaben auf dem Erntedankaltar erinnern: Wir leben von dem was Gott geschaffen hat. Gott sei dafür gelobt. Wie die Kirchen neuerdings den Schöpfer im September loben. Auch deshalb, weil wir wissen, wie bedroht die Schöpfung ist.

Zu danken ist ihm, dass heute über 7 Milliarden Menschen auf der Erde leben und zwar relativ besser als jemals zuvor. Obwohl es noch viel Hunger gibt.

Von Hungrigen spricht der Predigttext aus Jesaja 58 87-12).

Hunger und Ungerechtigkeit gab es in der Zeit als Jerusalem von den Rückkehrern wieder aufgebaut wurde. „Brich dem Hungrigen dein Brot, bekleide den Nackten, nimm den Obdachlosen auf“: dazu mahnte auch Jesus (Matthäus 25,34-36).

Aber in unsern wohlgeordneten (Gott sei Dank!) Staaten findet Ihr kaum Hungrige und Arme.

In andern Ländern wohl. Man muss sich nur lesen, was zum Beispiel Brot-für-die-Welt, die Welthungerhilfe oder Zeitschriften wie „EineWelt“ oder „Welt.Sichten“ berichten. Dann wird man vielleicht überlegen, ob man regelmäßig einen Teil seines Einkommens spendet. Das wäre Teilen!

Dann wird zwar „dein Licht  nicht vor den Leuten leuchten“, aber Dir wird es besser gehen. Denn Egoismus und deine Unzufriedenheit wird vergehen. Wer Gutes tut, tut sich selber gut!

Anscheinend meint Jesaja auch noch andern Hunger als den nach Essen.

Zum Beispiel den Hunger nach Freiheit, Gerechtigkeit,  inneren Frieden und Hoffnung. Den die „Elenden“ empfinden. Auf „die mit Fingern gezeigt und übel geredet wird“. Die gibt es in Eurer Nachbarschaft und in jedem Staat. Sie brauchen nicht nur Geld, sondern Euer Herz, Euer Mitgefühl oder Empathie, wie man heute sagt. Dazu ist nötig, beherzt auf andere zugehen und sein Herz zu öffnen. Gefühle sich und den andern erlauben!

Dadurch kannst Du ein anderer Mensch werden!

Ein Mensch „wie ein Garten“: gut bewässert in der Trockenheit, in dem man gern arbeitet aber auch sitzen und feiern kann!

Ein Mensch „wie eine Wasserquelle“. Der erfrischt und fröhlich macht, und der zu Reinigung der Seele hilft. Mit dem man gern zusammen ist.

Ein „Aufbauer“, bei dem man „aufgebaut“ und nicht wieder fertig gemacht wird.

Ein „Aufrichter“, der  „aufrichtet“, was hin- oder zerfallen ist.

Lückenbüßer“ wird dein Ehrentitel sein. Er hilft, wenn die andern sich drücken.

„Wegverbesserer“: wie ein Straßenbauer, der dafür sorgt, dass man in Häusern wohnen kann.

Schön, wenn man so ein Mensch sein könnte!

Das sind alles Anregungen für Einzelne. Heute müssen wir aber auch überlegen, wie wir die Probleme lösen, die nur gemeinsam gelöst werden können. Darum bemühen sich vernünftige Politiker und Verantwortliche in Ämtern, aber die Kirchen sollten helfen. Vielleicht durch das, was die Politiker nicht zu sagen wagen. Zum Beispiel: Die Menschheit wird schwere Zeiten bekommen, wenn nicht der Verbrauch an Lebensmitteln und Gütern aller Art und Verkehr eingeschränkt wird. Es braucht nicht überall Wachstum. Das Klima können wir nicht gerecht machen. Aber die Folgen der jetzt schon spürbaren Klimaveränderung gerecht verteilen, sollte Ziel sein. Das wird nicht ohne Einschränkungen gehen. Wissen das auch die Demonstranten von „fridays for future“?

Richtig ist: Gott der Schöpfer und Erhalter kann der Erde noch Zukunft schenken. Aber die Menschen müssen auch einiges dazu tun.

Aber diese Gedanken sollen euch nicht hindern, heute für Brot, Früchte und Blumen zu danken und fröhlich zu feiern und zu teilen.

Lesung: 2. Kor .9, 6-15 Was Gott gibt, können wir weiter geben.

Markus 8,1-9 Jesus will keine Hungernden!

Weltweit gebetet wird in der nächsten Woche für die Menschen in Costa Rica, El Salvador, Ecuador, Panama: mit Bananen, Kaffee, Erdbeben, Hurricanen, viel sozialer Ungerechtigkeit und Armut.

Ich wünsche euch ein fröhliches Erntedankfest und etwas zum Teilen!

Euer Gerhard Leiser

Nebenbei: am 3. Oktober sollte für die friedliche Revolution vor 30 Jahren gedankt werden!

4.10.19 10:28

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